Als Animismus (von griech. ἄνεμος „Wind, Hauch“ wie lat. animus, als anima später in religiösen Zusammenhängen auch Seele oder Geist) bezeichnet man allgemein schriftlose, in Reinform ausschließlich bei Jäger-Sammler-Kulturen verbreitete Religionen indigener Völker. Es gibt demnach nicht eine einzige Religion des Animismus, vielmehr entwickelt sich der Animismus gleichermaßen als Urreligion wie als Regelwerk des Aufbaus der Soziokultur und auch als nicht-analytischer Vorläufer der Naturwissenschaften in jeder Kultur anders.
Der Animismus geht von der Annahme der allgemeinen Belebtheit der Natur aus, von der Vorstellung der Personifizierung und Beseelung aller Erscheinungen in Natur und Gesellschaft. Unter der allen Dingen innewohnenden „Seele“ wird kein Äquivalent zur christlichen Seele verstanden, sondern vielmehr eine allgemeine Lebenskraft. Insbesondere ist dem Animismus der Begriff des „Göttlichen“ fremd, wie auch jeder religiöse Überbau fehlt. „Heilig“ im Sinne von „respektgebietend“, aber auch „respektfordernd“, ist die Natur selbst in allen Ausprägungen, so dass dem Animismus jeder Bezug zum Metaphysischen fehlt. In jedem Stein, jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen, aber auch jedem Ort entwickelt Lebenskraft einen eigenen Willen, der natürlichen Regeln folgt. Aufgabe des Menschen ist, diese Regeln zu ergründen, um den Willen der Naturelemente zum eigenen Nutzen oder zur Abwendung von Schaden lenken zu können.
Animismus tritt meist in Zusammenhang mit Schamanismus auf. Als Träger und Bewahrer des gesellschaftlich erworbenen Wissens über die Natur und ihre Zusammenhänge ist der Schamane gleichermaßen Priester wie Arzt, und Ratgeber in allen Fragen zu Interaktionen mit Natur und Gesellschaft.
Der Begriff des Animismus wurde durch den britischen Ethnologen Edward Burnett Tylor (1832–1917) geprägt, wird heute jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch als Bezeichnung für ursprüngliche Naturreligionen von Jäger-Sammler-Kulturen verwendet. Ausgehend von der abendländischen Seelenvorstelllung vertrat Tylor die These, dass in der Vorstellung der „primitiven Menschen“ auch Tieren, Pflanzen und Objekten eine Seele innewohnt. Basierend auf diesem Gedankengebäude wurde hier der Ursprung für Dämonen und Geister und schließlich auch von Göttern und von jeglicher Religion gesehen. Dieser Ansatz wurde später durch den Präanimismus und den Animatismus erweitert.